Wenn der eigene Hund angegriffen wird

1. März 2017

Labrador Loki Hund auf Wiese

Schon als Welpe war Loki ein Hund, der den Kontakt zu anderen gesucht hat. Egal ob zu Mensch oder Hund. Doch das nicht alle Vierbeiner spielen wollen oder gar aggressiv sein können, musste unser Kleiner leider auf die harte Tour feststellen. Mit fast fünf Monaten wurde er nämlich von einem American Staffordshire Terrier gebissen - und er hatte dabei verdammt viel Glück gehabt.


Unachtsame Halter und angespannte Hunde


Loki und S., der American Staffordshire Terrier, waren keine Unbekannten. Das erste Mal trafen sie aufeinander, da war Loki gerade einmal 9 Wochen alt. Danach folgten ein paar Begegnungen, meistens aus der Ferne. S. gehörte einem Pärchen in unserem Alter. Meistens sah man ihn mit seinem Frauchen, die beim Gassi gehen fast immer telefonierte oder zumindest den Blick auf dem Handy hatte. Der Hund ging oftmals Meter weit vor. An jenem Tag war S. mit beiden Haltern unterwegs. Loki und ich waren gerade auf dem Heimweg und mussten nur noch eine stark befahrene Straße überqueren um zu unserer Haustür zu gelangen. Als wir warteten kamen die beiden mit ihrem American Staffordshire Terrier dazu.

Mir fiel schon vorab auf, dass S. uns sehr fixierte und eine sehr angespannte Körperhaltung hatte. Anstatt weiterzugehen hielten die beiden an, so dass sich die Hunde begrüßen konnten. Man merkte gleich, dass S. immer noch sehr angespannt war. Seine Besitzer hingegen taten dies nur mit einem lapidaren Kommentar ab ("Der checkt nur die Lage ab"). Doch gerade als wir uns verabschiedeten und die Straße überqueren wollten, sprang S. Loki ohne Vorwarnung an und biss zu.


Was tun, wenn sich ein Hund festgebissen hat? 


Da ich meinen Hund instinktiv zurückgezogen hatte, erwischte der American Staffordshire Terrier meinen Labrador hauptsächlich am Ohr und etwas am Kopf anstatt an seiner Kehle. Es folgten die schrecklichsten Minuten, die sich wie Stunden anfühlten. S. hatte sich komplett verbissen und kein "Aus" der ebenso ratlosen Besitzer brachte etwas. Loki schrie wie ich ihn noch nie gehört hatte und verlor aus Todesangst sogar die Kontrolle über seinen Darm. Die Schreie lockten viele Passanten an und einige riefen Ratschläge zu. Einer meinte, dass man S. "ein paar auf's Maul" geben sollte. So fing das Herrchen von S. an seinen Hund mit seinen Fäusten zu bearbeiten. Dies stellte sich als fatal heraus, da der Staff noch mehr zubiss. Um es abzukürzen: Erst als S. die Nase zugehalten wurde, lies er von Loki ab. Er versuchte zwar ein zweites Mal nach zu beißen aber glücklicherweise wurde er dieses Mal zurückgehalten. Ich ließ mir die Daten der Halter geben und fuhr mit Loki zum Tierarzt. Der arme Kerl war ein blutendes, zitterndes Häufchen Elend.

Wieder Vertrauen in andere Hunde fassen

Labrador Hund Ohr

Glücklicherweise blieben nur ein Loch im Ohr (was man kaum sieht) sowie eine Narbe hinterm Ohr zurück. Der Tierarzt gab ihm noch eine Tablette, welches das Trauma des Erlebten schmälern sollte. Ich machte mir große Sorgen, wie sich diese Erfahrungen auf ihn und sein Verhältnis zu anderen Hunden auswirken würde. Doch Loki will nach wie vor zu allen Hunden und spielen - auch zu Listenhunden. Ich dagegen hatte/habe mehr Schwierigkeiten das Erlebte hinter mir zu lassen. Direkt nach dem Vorfall hatte ich große Angst davor mit Loki alleine rauszugehen und vor allem S. zu treffen. Schließlich wohnte dieser nur eine Querstraße von unserem ehemaligen Zuhause entfernt. Ich habe mehrere Monate gebraucht bis ich größtenteils angstfrei in neue Hundebegegnung gehen konnte. Doch das Erlebte werde ich wohl nie vergessen können. Trotzdem bin ich heilfroh, dass das Ganze relativ glimpflich ausgegangen ist.

"Es gibt keine Kampfhunde, sondern nur Kampfhund-Halter"


Abschließend möchte ich etwas zum Thema "Listenhunde" sagen, die von den Medien oftmals als "Kampfhunde" bezeichnet werden: Meiner Meinung nach gibt es keine Hunde, die "bösartig" auf die Welt gekommen sind. Aggressiv oder "bösartig" werden sie erst durch den Halter bzw. Menschen und  durch das was sie erlebt haben. Dies gilt auch für Rassen, die als Listenhunde bezeichnet werden. Oftmals liest man von Angriffen durch solche Hunde auf Menschen oder andere Tiere. Doch das bedeutet nicht, dass jeder Listenhund pauschal gefährlich ist. Einige Rassen, die unter diesem Begriff zusammengefasst wurden, wurden zwar ursprünglich für (Hunde)kämpfe gezüchtet.

Doch letztendlich entscheidet die Haltung darüber, ob ein Hund gefährlich ist/sein wird oder nicht. Ein schönes Beispiel ist der Youtube-Hundekanal "Vito Amalia", wo Lui und Paulina über den richtigen Umgang mit Rassen wie Pittbulls sprechen. Besonders passend zum Thema finde ich das Zitat von Lui: "Es gibt keine Kampfhunde, sondern nur Kampfhund-Halter".

Viele Besitzer eines Listenhundes scheinen sich nämlich nicht im Klaren darüber zu sein, wie man mit einem Listenhund umgeht. Leider sehen einige (ausschließlich) Gewalt als Erziehungsmethode an. Doch dann braucht man sich über (tödliche) Beißattacken, wie es der Hund der Bloggerin Fanfarella leider erleben musste, nicht zu wundern. Daher mein Appell an Dich: Informiere Dich über die Rasse Deines Hundes und erfülle seine geistigen sowie körperlichen Bedürfnisse. Und das OHNE Gewalt. Kommst Du an irgendeinem Punkt nicht weiter, dann hole Dir lieber einen kompetenten und seriösen Hundetrainer dazu! 




Vielen Dank für's Lesen!
Loki & Katarina

6 Kommentare

  1. Hallo ihr zwei, das was ihr beschreibt ist uns auch ähnlich in der Nachbarschaft passiert. Bei uns war es ein großer Doggenrüde der meinen Hund immer wieder Attackierte. Zum Glück war Aaron weniger und so wurde er nur einmal am Nacken erwischt. Festgebissen hatte sich der anderen Hund auch nicht. Aber der Schreck saß echt tief. Ich bin mit zittrigen Knien heim und meide diese Seitenstraßen nun schon seit 2 Jahren (Hund kam von der Auffahrt gelaufen). Zum Glück haben wir andere Spazierstrecken, auf denen wir diesen Hund nicht mehr begegnen. Die Leute schätzen ihren Hund auch falsch ein und fanden diese ganze Aktion nicht schlimm.

    Aaron kann zum Glück besser damit um als ich. Ich denke immer noch häufig an diesen Angriff und möchte sowas nicht noch mal erleben.
    liebe Grüße
    Sandra und Aaron

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    1. Hallo Sandra,

      danke für deinen Kommentar. Wir können das sehr gut nachfühlen. Ich hätte die Besitzer samt Hund auch gerne gemieden. Leider wohnten die nur eine Querstraße weiter u. sie gehen bis heute durch unsere alte Straße. Die Besitzer fanden das damals auch nicht schlimm, frei nach dem Motto "das ohr ist ja noch dran". Sowas kann ich echt nicht verstehen und da fragt man sich, ob deren Hunde das öfters machen. Das man so ein Erlebnis nicht aus den Kopf kriegt, kenn ich. Aber meine Angst wird mit der Zeit immerhin besser. Ich wünsche euch alles Gute 🤗

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  2. Huhu,

    ich kann das gut nachvollziehen, nach so einem Vorfall hätte ich auch Angst. Das Problem bei solchen Geschichten sind eigentlich immer die Halter, wie du so schön gezeigt hast.
    Dir ist das Fehlverhalten aufgefallen und es wurde trotzdem nur abgetan. Es ist ärgerlich, das sich viele Hundehalter nicht die Mühe geben Ihren Hund anständig zu erziehen oder einen Blick für ihn zu entwickeln.
    Wir hatten mit Kylar mit ca 11 Monaten auch eine Beißerei. Bei Bekannten zu Hause, hat Kylar schauen wollen was ihre Hünden da so treibt. Als er so einen knappen Meter hinter ihr war, hat sie sich blitz schnell umgedreht und zu gebissen, in die Schnautze und in die Kehle. Dank seinem Dicken Fell hat er es gut verkraftet. Aber für mich war es ein wahrer Albtraum. Und unser kleiner Kerl hat sich nicht mal gewehrt, die dumme Nuss. Es spricht ja eigentlich für ihn das er so sanft ist das er nicht mal Kämft wenn ihm einer an der Gurgel hängt.
    Am Ende hat es mein Mann geschafft die zwei auseinander zu reißen.
    Gott sei dank hat er keine Angst bekommen oder verhält sich anderen Hunden unangemessen.
    Es freut mich umsomehr das es bei euch auch keine langzeit Schäden gibt.

    Liebe Grüße

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  3. Hallo Eva,

    oh wie krass, wie haben denn deine Bekannten reagiert? Ich glaube, dein Kylar war bestimmt selber erschrocken und hat sich deshalb nicht gewehrt. Angst kann ja bekanntlich lähmen. Besonders, wenn der andere einem buchstäblich an die Kehle geht. Nur gut, dass es relativ glimpflich ausgegangen ist.

    Viele Grüße!

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  4. Es ist wirklich schlimm wenn der eigene Hund angegriffen wird. Das habe ich leider auch schon erlebt, von "Nicht-Listenhunden". Und es war absolut schrecklich und ich brauche immer noch um wieder "angstfrei" bei Hundebegegnungen zu werden. Mein Bullterrier ist zum Glück ein so freundlicher Kerl, dass er sich immer noch über jeden Hund freut.
    Über die Rasse des Hundes sollten sich alle informieren und die Bedürfnisse des Hundes erfüllen, nicht nur Listenhundhalter wie ich ;-)
    Und es gibt auch genug "Beißvorfälle" von anderen Hunden, von denen man liest, so ist es ja nicht. Jeder hat die Verantwortung für seinen Hund und muss diese gewissenhaft erfüllen und dein Beispiel zeigt leider dass es viele verantwortungslose Hundehalter gibt! Das ist meiner Meinung nach aber ein allgemeines Problem und nicht nur an speziellen Rassen fest zu machen. Liebe Grüße

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    1. Hey,

      da stimme ich dir total zu! Ich kann meinen Labrador auch aggressiv "erziehen", das hat nix mit der Rasse zu tun. Aber ich finde gerade Halter von "Listenhunden" sollten wissen, wie sie sich zu verhalten haben, wenn sich ihr Hund sich doch mal in einen anderen verbissen hat. Denn leider neigen genau solche Rassen dazu dann nicht mehr loszulassen. Genauso war es ja bei S. Der Youtube.Kanal "Vitomalia" hat zu diesem Thema übrigens tolle Videos gemacht, falls Du Interesse hast.

      Viele Grüße
      Katarina

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