So lernt Dein Hund alleine zu Hause zu bleiben - Tipps gegen Trennungsangst

31. Mai 2017

Schwarzer Labrador mit Schweinchen

In unserer alten Nachbarschaft gab es zwei Hunde, die oft stundenlang gebellt und gewinselt haben. Sie kamen offenbar nicht damit zurecht alleine zu sein und litten unter Trennungsangst. Egal, ob Du ein Welpe oder einen älteren Hund hast - irgendwann solltest Du ihm beibringen alleine zu Hause zu bleiben. Wir haben Dir anlässlich zur aktuellen MiDoggy-Parade unsere Tipps und Tricks zusammengefasst damit auch Dein Hund lernt entspannt zu bleiben, wenn Du mal nicht bei ihm sein kannst.


Work-Dog-Balance

Labrador im Büro auf einer Decke

Vorab sollte Dir klar sein, dass Hunde Rudeltiere sind und daher gerne so oft wie möglich bei uns sein wollen. Zudem sollte ein Hund nicht den ganzen Tag alleine verbringen. Das gerade Welpen nicht sich selber überlassen werden sollten, brauche ich eigentlich nicht zu erwähnen.

Falls Du nicht das Glück hast Deinen Hund mit ins Büro nehmen zu können, solltest Du Dir (am besten vorher) überlegen, wie Du Hund und Job unter einen Hut bekommst. Hundetagesstätte, Gassigehdienst oder ein Familienmitglied/Freund/Nachbar sind einige Möglichkeiten, damit Dein Vierbeiner nicht allzu lange alleine sein muss. Manche Hundehalter versorgen ihren Hund auch während ihrer Mittagspause. Oder sie haben sich mit ihrem Arbeitgeber abgesprochen, so dass sie eher nach Hause können. Homeoffice wäre ebenfalls ein guter Kompromiss, ist aber nur in manchen Berufen möglich.

Schon bevor wir Loki zu uns geholt hatten, hatte ich mir von meinem Arbeitgeber die Erlaubnis eingeholt ihn mit auf Arbeit zu nehmen. Somit ist er von klein auf den ganzen Tag mit mir zusammen. Trotzdem war es mir wichtig, dass er lernt ab und zu für ein paar Stunden alleine zu Hause zu bleiben. Das Alleine bleiben haben wir daher schon im Welpenalter mit ihm trainiert. Mittlerweile hat Loki überhaupt kein Problem damit und verschläft die Zeit während er alleine ist. Das haben wir tatsächlich ein paar Mal mithilfe einer Babyphone-App überprüft.

Die Grundvoraussetzungen für das Alleine bleiben

Bevor Du Deinen Hund für mehrere Stunden alleine lässt sollte er die Möglichkeit haben, noch einmal seine Geschäfte zu erledigen. Mit leerer Blase lässt es sich zudem viel leichter schlafen und entspannen. Achte ebenfalls darauf Deinen Vierbeiner körperlich und geistig auszulasten, bevor Du das Haus verlässt. Dies beugt Frust und Langeweile vor und Dein Fiffi wird schön müde sein und schlafen wollen. Ein langer Spaziergang samt Kopfübungen (wie Suchspiele) reichen bei Loki meistens aus um ihn kaputt zu kriegen. Allerdings hat jeder Hund ein anderes Energieniveau. Gerade in der warmen Jahreszeit sollte Dein Hund ausreichend Wasser zur Verfügung haben, aber das sollte selbstverständlich sein.

Die ersten Schritte zum Alleine bleiben

Schlafender schwarzer Welpe

Wie andere Verhaltensweisen oder Tricks muss auch das Alleine bleiben schrittweise trainiert und aufgebaut werden. Bei uns hat sich folgende Herangehensweise bewährt:

Alleine schlafen lernen: Loki hatte schon als Welpe gelernt nicht bei uns im Schlafzimmer zu schlafen. Stattdessen hatte er seinen eigenen Bereich, was sich auch beim Stubenreinheitstraining als sehr hilfreich herausgestellt hatte.

Grenzen ziehen: Gerade Welpen (aber auch "kontrollsüchtige" Hunde) neigen dazu ihren Menschen überall hin folgen zu wollen. Einige Hundehalter lassen das zu, weshalb sie (überspitzt gesagt) nie wieder alleine auf die Toilette gehen können. Bei der Badezimmertür haben wir (ebenfalls) eine Grenze gezogen. So musste der Kleine lernen draußen zu warten. Sollte Dein Hund während Deiner "Toilettenpause" bellen oder jammern solltest Du das ignorieren und erst wieder rausgehen, wenn er ruhig ist. Sonst verstärkst Du dieses Verhalten, denn der Hund lernt, dass sein Mensch wiederkommt sobald er sich so verhält.

Diese Regeln haben uns das Alleinsein-Training wirklich erleichtert. Allerdings sind sie kein Muss um Deinen Hund das Alleine sein beizubringen.

Die Zeiten des Alleinseins schrittweise verlängern


Dein Hund wird wahrscheinlich nicht von heute auf morgen alleine bleiben können. Daher solltest Du die Zeiten, in denen er alleine ist, systematisch und über mehrere Wochen (oder Monate) verlängern. Und so klappt es:

Übung #1: Ziehe dich ganz normal an und gehe zur Tür als ob Du die Wohnung verlassen möchtest. Allerdings bleibt die Wohnungstür zu und Du verlässt Deine vier Wände nicht. Wiederhole dieses Vorgehen ein paar Mal und schaue, wie Dein Vierbeiner reagiert. Hat Dein Hund damit kein Problem und bleibt entspannt, kannst Du Dein Training fortsetzen.

Übung #2: Jetzt machst Du Dich fertig und gehst aus der Tür und schließt diese kurz. Die Tür sollte höchstens für ein paar Sekunden zu sein. Dann gehst Du wieder rein und ziehst Dich wieder aus. Auch diesen Schritt wiederholst Du einige Male bis Dein Hund auch damit kein Problem hat. 

Übung #3: Nun musst Du die Zeit, in der der Hund alleine ist, schrittweise ausdehnen. Wiederhole die Vorgehensweise aus Übung Nr. 2 und lasse die Tür nicht mehr für einige Sekunden, sondern Minuten zu. Jetzt solltest Du nicht zu ungeduldig werden und die Zeitdauer zu schnell zu weit ausdehnen. Sollte Dein Hund wieder Trennungsangst zeigen, musst Du einen Schritt zurückgehen. Zeigt Dein Training dagegen Früchte, kannst Du auch einmal zum Briefkasten gehen oder den Müll runterbringen. Klappt das ebenfalls gut kannst Du ebenfalls eine Runde um den Block gehen und die Zeit des Alleinseins immer weiter ausdehnen.   

Richtig verabschieden und begrüßen

zerkratzte Wand durch Hund

Damit Dein Vierbeiner keine Trennungsangst entwickelt, sollten auch die Verabschiedung und Begrüßung richtig ausfallen. Wichtig ist es, dass Du keine hochemotionale Verabschiedungszeremonien veranstaltest. Dagegen kann ein kleines Ritual beim Verabschieden ganz hilfreich sein. Doch auch hier kann man einige Fehler machen. Freunde von uns werfen ihrem Hund immer Leckerlis in den Raum bevor sie gehen. Wir haben das auch mal versucht. Als wir wiederkamen waren überall weiße Pfotenabdrücke und wir hatten eine kaputte Wand. Offenbar hatte unser Welpe/Junghund nicht mitbekommen, dass wir die Wohnung verlassen haben und hatte sich aus Frust und/oder Panik an der Wand "abreagiert". Damit Dein Hund Deinen Weggang mit einem positiven Gefühl verbindet, kannst Du ihm bei der Verabschiedung einen gefüllten Kong geben. Somit ist er für die nächsten Minuten beschäftigt und Du schlägst zwei Fliegen mit einer Klappe ✌

Die richtige Begrüßung beim Wiederkommen ist ebenfalls wichtig. Es ist sehr verlockend den Hund genauso überschwänglich zu begrüßen, wie er das vielleicht selber macht. Manche Hunde können damit aber nicht umgehen und warten sehnsüchtig auf genau diesen Moment, weshalb sie sich die ganze Zeit über nicht entspannen können. Idealerweise kommst Du ruhig nach Hause und legst erst Deine Sachen ab, bevor Du Deinen Vierbeiner kurz(!) begrüßt.  

Und jetzt wollen wir von Dir wissen: Hat Dein Hund ein Problem damit alleine zu bleiben?


Vielen Dank für's Lesen!
Loki & Katarina

11 Kommentare

  1. Hallo, wir trainieren es fast genau so. Jedoch starten wir damit, dass unser Sammy erst einmal lernt, alleine in einem Raum zu bleiben. Hier sind wir bereits bei 6 Minuten. Sobald wir die 10 Minuten ohne jegliche Probleme erreicht haben, beginnen wir damit die Wohnung zu verlassen. So wie ihr. Wie lange hat es bei euch denn gedauert bis euer Labrador ca eine Stunde alleine bleiben konnte? LG Michelle

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hi Michelle,

      vielen Dank für deinen Kommentar :) Das klingt ja schon sehr gut! Wie alt ist denn Sammy?

      Ehrlich gesagt, ich kann gar nicht mehr ganz genau sagen, ab wann wir Loki eine Stunde alleine lassen konnten. Ich glaube er muss so im Alter von 4 Monaten gewesen sein, also nach 2 Monaten Training. Jeder Hund ist da aber anders. Viel Erfolg beim Trainieren!

      Liebe Grüße
      Katarina

      Löschen
  2. Hallo, wir trainieren es fast genau so. Jedoch starten wir damit, dass wir das Zimmer verlassen und unser Sammy alleine im Raum bleibt. Hierbei sind wir nun bei 6 Minuten. Sobald wir 10 Minuten ohne jegliche Probleme erreicht haben, beginnen wir damit die Wohnung zu verlassen. Also dann so wie ihr. Wie lange hat es bei euch denn gedauert bis euer Labrador ca eine Stunde alleine bleiben konnte? LG Michelle

    AntwortenLöschen
  3. Hi ich hab mal ne frage wenn ich Schritt eins übe und mein Hund dabei schon super aufgedreht ist und pfiept muss ich ich diese Übung solange machen bis sie ruhig ist ? Sie fängt schon an zu pfiepen wenn mein Freund sich fertig macht und läuft ihm überall hinter her . Das pfiepen ist kaum auszuhalten

    AntwortenLöschen
  4. Hi ich hab da auch mal ne fragen
    Muss ich die erste Übung solange wiederholen bis es den Hund nicht juckt ? Denn unsere Hündin ist dann total aufgedreht und am pfiepen , sie pfiept schon wenn mein Freund sich nur anzieht und bleibt solange vor dem Bad und pfiept bis er wieder da ist .... das ist unerträglich

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hi Sarah,

      das Fiepen kennen wir, wenn Loki wegen irgendetwas meckert und/oder protestiert. Der Hund ist, wie du selber schon festgestellt hast, dann nicht entspannt. Das ist aber das Ziel einer jeden Übung. Wenn Loki fiepen würde sobald ich mich anziehe, würde ich das ignorieren und so entspannt wie möglich bleiben. Ruhige Bewegungen und bloß keine Hektik! Das ruhig so oft wie möglich üben, ohne gleich rauszugehen. Und ganz wichtig: Den Hund ignorieren! Jede Form von Aufmerksamkeit - ob "trösten", schimpfen oder nur anschauen - bitte vermeiden. Das verstärkt das Gefiepe nur. Aufmerksamkeit gibt es nur für ruhiges Verhalten. Irgendwann wird er nicht mehr fiepen und dann könnt ihr zur nächsten Übung weitergehen.

      Wie lange übt ihr denn schon? Macht dein Hund das nur bei, wenn sich dein Freund anzieht oder auch bei dir?

      Viele Grüße
      Katarina

      Löschen
  5. Hallo, ich habe auch eine Frage:
    Ich habe seit ein paar Wochen einen 6 Monate alten Hund, der schon mal ein anderes Frauchen hatte. Wir üben das alleine sein und er kann schon 5 Minuten entspannt im körpchen sein, wenn ich den Raum verlasse. Die Frage ist, wie schnell ich die Zeiten und die Stufen steigern kann, sobald es einmal gut funktioniert hat?
    Und er fiept ganz schlimm, sobald ich nicht mehr bei ihm bin... besonders, wenn er bei Männern ist. Dabei liegt er aber meistens relativ entspannt auf seinem
    Platz... es ist bei meinem Freund schon besser geworden aber wie kann man ihm das abgewöhnen? Er lässt sich dann nur sehr schwer ablenken...
    Lg und vielen Dank für den tollen beitrag!!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Nina,

      vielen Dank für deinen Kommentar! Ich würde sagen, das kommt ganz auf deinen Hund an! Er zeigt es dir ja, wenn es ihm zu schnell ging. Sowas braucht leider seine Zeit :( Aber wenn du dranbleibst wird das bestimmt klappen mit dem Alleinesein.

      Kennst du denn seine Vorgeschichte? Anscheinend fühlt er sich bei Männern nicht so sicher und muss erst noch Vertrauen fassen. Aber wenn es bei deinem Freund schon besser geworden ist, seid ihr schon auf den richtigen Weg. Vielleicht könnt ihr das ja mit Vertrauensübungen unterstützen. Der Youtube-Kanal Happy Galeo hat dazu ein schönes Video gemacht https://www.youtube.com/watch?v=1oBDdJHRkC4
      Achtet auf jeden Fall darauf, dass der Hund nur Positives mit deinem Freund verknüpft - also Essen, Spiele, alles was er gerne macht sollte er auch mit deinem Freund machen dürfen. Aber passt euch da auf jeden Fall an das Tempo deines Hundes an damit es ihm nicht zu viel wird.

      Viel Erfolg und viele Grüße
      Katarina

      Löschen
    2. Hallo Katharina, danke, für Deine schnelle Antwort! Ich denke, dass er Männer einfach nicht so gut kennt... Alles klar, darauf achten wir! Und hättest Du vielleicht noch einen Tipp für mich, wie ich die Aufmerksamkeit von Johnny besser auf mich ziehen kann? Wenn wir spielen oder im Alltag ist er sehr fixiert auf mich aber wenn es ums üben geht, wirkt er schnell desinteressiert und lässt sich auch von Leckerlies nicht beeindrucken (sonst ist er sehr verfressen)... Was hälst du von "Special-Leckerlies" für so was wichtiges, wie "komm" zu üben... So was, wie Leberwurst oder so?... Oder hast Du eine andere Idee? Vielen Dan für die nützlichen Tipps, ich bin für jede Hilfe total dankbar!
      Liebe Grüße, Nina

      Löschen
    3. Hallo Nina,

      das ist doch schon mal super, wenn er sich sonst gut auf dich konzentrieren kann? Wie lange dauern denn eure Trainingseinheiten? Ich trainiere mit Loki maximal 10 Minuten und mache dann lieber mehrere Wiederholungen. Manchmal mache ich auch ein paar Tage Pause, wenn er gerade etwas Neues lernt. Die haben ja nicht die beste Aufmerksamkeitsspanne und sowas kann schon helfen.

      Superleckerlies sind auf jeden Fall spitze um Situationen zu belohnen, die für den Hund recht schwierig sind, wie z.B. der Rückruf oder bei anderen Hundebegegnungen (zumindest bei uns kommen die dann zum Einsatz). Bei Pawsitive Life gibt es einen Beitrag speziell zum Rückruf und da wird das auch thematisiert. Empfohlen wird das jeweilige Superleckerli, wie Leberwurst, ausschließlich für das entsprechende Kommando zu nehmen (wie den Rückruf).

      Falls du in Englisch fit bist - in diesem Video wird sehr schön auf die verschiedenen Belohnungsstufen eingegangen: https://www.youtube.com/watch?v=n7XxG5KchQ8. An diese halten wir uns (zumindest bis wir die Ausschlussdiät anfangen mussten): Futter-Leckerli-Superleckerli

      Viele Grüße
      Katarina

      Löschen
    4. @Nina hier ist noch der Link zum Pawsitive Life-Artikel http://coach-dich-wuff.de/faqs-zum-sicheren-rueckruf/

      Löschen

Vielen Dank für Deinen Kommentar!

Mehr zu Loki der Labrador

Wir halten uns dran

Blogger Relations Kodex