Der pubertäre Junghund muss zurück in die Schule - 12 bis 14 Monate (Teil 3)

28. Juni 2017

Schwarzer Hund am See

Seit Anfang des Jahres erzähle ich euch in Teil 1 und Teil 2 dieser kleinen Serie schon, wie sich die Pubertät bei unserem Labrador Junghund Loki entwickelt. Nach einem halben Jahr können wir jetzt ein weiteres Fazit ziehen - und es ist leider kein Schönes. Kurz gesagt, wir befinden uns in einer Krise!


Wie das duftet!


Was hat sich seit dem letzten Update vom April geändert? Viel! Seit Loki gelernt hat zu markieren, gibt es für ihn draußen kein Halten mehr. Mit der Nase ist Herr Labrador grundsätzlich auf dem Boden unterwegs. Er flitzt quasi von Duftspur zu Duftspur und es wird fleißig (Achtung eklig!) der Urin anderer Hunde aufgeleckt. Hunde sammeln auf diese Weise ja viele Infos über den jeweiligen Pinkler. Bei manchen Duftspuren bleibt er richtig "daran hängen" und er fängt an zu sabbern und mit den Lefzen zu wackeln. Bewegt sich ein anderer Hund weiter weg, wird auch die Nase in die Luft gehalten und genüsslich nachgeschnuppert.

Das Markieren und die Aufnahme ist der Duftspuren sind ja schön und gut. Aber wir merken deutlich, dass unser Labrador Junghund dann wie in einem Tunnel ist. Uns nimmt er dann kaum wahr und zieht wie ein Stier um zur nächsten Duftspur zu kommen, wenn diese etwa einen Meter von ihm entfernt ist. Entspanntes Gassi gehen ist so nicht mehr möglich.

Wir versuchen ihn dann anzusprechen oder seine Aufmerksamkeit mithilfe des Würstchen-Kommandos zu gewinnen. Leider klappt das fast gar nicht mehr und es erfolgt erst sehr spät eine Reaktion. Die Urinflecken von Hundedame xy scheinen für ihn "überlebenswichtig" geworden zu sein. Natürlich stresst das nicht nur uns, sondern auch er wirkt dann sehr gestresst. Dieses Verhalten ist zwar nicht jeden Tag so extrem, aber es hat in letzter Zeit stark zugenommen.

Der Junghund als Spielball seiner Hormone

Schwarzer Labrador mit Frau am See

Neben dem deutlich gestressteren Verhalten ist Loki die letzte Zeit über auch recht sensibel. Er kriegt schnell Angst vor ungewöhnlichen Geräuschen (Feuerwerk, Bohrgeräusche im Haus etc.) und ist ab und an sehr anhänglich und kuschelig. Manchmal lässt er auch den genervten Teenager raushängen, der streicheln und spielen doof findet.

Seine Schlafsituation hat sich übrigens auch geändert: Schon im Welpenalter hat er gelernt alleine im Wohnzimmer zu schlafen. Durch unseren letzten Urlaub an der Ostsee hat er es sich angewöhnt bei uns im Schlafzimmer neben dem Bett zu schlafen. Das variiert allerdings und er scheint sich stundenweise dann auch wieder in sein Körbchen oder zu anderen Schlafstellen in der Wohnung zurückzuziehen.

Freund oder Feind? So reagieren andere Hunde auf ihn

Zwei dunkle Rüden am Strand

Bei den Hündinnen sind die Lager weiterhin gespalten. Manche spielen sehr gerne mit unserem Pubertier, andere reagieren genervt und sind schnell gereizt. Andere Rüden nehmen unseren Labrador jetzt offenbar immer stärker als Rivalen wahr. Letzte Woche haben wir an unserem Lieblingssee bei Leipzig einen anderen unkastrierten Rüden getroffen, der ein starkes Imponier- und Drohverhalten zeigte. Loki hatte darauf mit kompletter Unterwerfung reagiert und sich auf den Rücken gelegt. Dennoch wurde er von dem anderen nicht in Ruhe gelassen. Stattdessen versuchte der Fremde ihn zu besteigen, zu knurren und nach ihm zu schnappen. Unser Junghund hatte ganz schön Angst und deutliche Stresssymptome gezeigt, weshalb ich dazwischen gegangen war. Und das Herrchen des Rüpels? Der war in aller Seelenruhe schon weitergegangen und rief immer mal halbherzig seinen Hund (der dies natürlich ignorierte).

Neue Verhaltensprobleme an der Leine

Schwarzer Labrador sieht anderen Hund

Loki war schon immer aufgeregt, wenn andere Hunde auftauchten. Da wollte er immer am liebsten gleich hin und spielen. Das hat sich in den letzten Monaten geändert. Besonders seit dem letzten Erlebnis am See mit dem fremden Rüden (und vielleicht auch noch durch dieses schlimme Erlebnis aus Welpentagen), brennen bei Loki noch mehr die Sicherungen durch, wenn er andere Hunde sieht.

Er scheint zwar immer noch spielen zu wollen, aber ist sehr unsicher geworden und der Reiz zum anderen Hund zu kommen ist so groß, dass er mächtig Frust schiebt. Ursprünglich dachte ich, es wäre Unsicherheit. Aber dieses Verhalten zeigt er auch, wenn er etwas unbedingt SOFORT will (z.B. ins Wasser springen).

In den letzten Tagen ist es so schlimm geworden, dass er anfängt sich aufzuregen, wenn er andere Hunde sieht. Manchmal fiept er, an anderen Tagen fängt er an zu jaulen und winseln oder es ist eine Mischung von allem, was sich fast wie Schreien anhört. Körpersprachlich bringt er seinen Stress auch zum Ausdruck: Er rennt entweder in die Leine oder bleibt wie angewurzelt stehen. Seine Hinterläufe sind angewinkelt und sein ganzer Körper ist stark angespannt. In diesem Moment kann er den Blick nicht vom anderen Hund nehmen und ist fast nicht mehr ansprechbar.

Fängt der andere Hund dann an zu bellen und zu knurren, reagiert unser Junghund mit winseln und jaulen. Je nach Reaktion des anderen Hundes darauf, steigert sich Loki dann richtig rein und wird schon fast panisch. Die Rute ist dann richtig eingezogen oder zwischen den Hinterläufen geklemmt. Ein Zeichen von Angst bzw. großer Unsicherheit. Noch schlimmer ist, wenn wir mehrere Hunde kurz hintereinander treffen oder nicht wirklich ausweichen können. Je näher der andere Hund ist, desto schlimmer ist Loki's Verhalten. Er ist dann so fertig, dass er sich hinlegt und erst einmal verschnaufen muss, wenn der andere Hund weg ist. Mittlerweile macht mich das ähnlich fertig und die Runden im Wohngebiet gleichen einem Spießrutenlauf.

Begegnen wir Hunden aber woanders, zum Beispiel im Park, zeigt er nicht so ein extremes Verhalten. Er hat auch regelmäßig Kontakten zu fremden und auch bekannten Hunden, dann zum Teil auch unangeleint.

Wir brauchen professionelle Hilfe

Schwarzer Labrador auf Stuhl

Ich habe schon einiges probiert, um dieses Problem in den Griff zu bekommen. Ignorieren, Richtungswechsel, clickern, ablenken/umorientieren oder mit dem eigenen Körper blocken. Aber es hilft alles nichts. Im Gegenteil, ich muss mich mittlerweile aktiv beherrschen nicht nervös oder gestresst zu werden, wenn wir hier im Wohngebiet Gassi gehen. Denn meine Stimmung überträgt sich eins zu eins auf den Hund. Die Angst bleibt trotzdem, dass der eigene Hund kein Vertrauen mehr in mich hat und sich bei mir nicht mehr sicher fühlt. Andererseits zeigt er das Verhalten auch, wenn das Herrchen ihn führt.

Dieses Theater ist natürlich kein Zustand ist und wir sind mit unserem Latein am Ende, weshalb wir uns jetzt wieder an unsere Trainerin aus der Welpenschule gewendet haben. Gestern hatten wir unsere erste Stunde und ich kann gerne darüber in einem separaten Blogpost berichten, falls Dich das interessiert. Sie hatte schon den Vorschlag gebracht mit ihm später sogenannte "social walks" auszuprobieren, bei denen Hunde an der Leine in einer kleinen Gruppe spazieren geführt werden, ohne das es Kontakt gibt. So lernt der Hund in Beisein von Artgenossen sein Erregungsniveau niedrig zu halten. Ich bin gespannt und hoffe, dass uns unsere Trainerin weiterhelfen kann.

Und jetzt wollen wir von dir wissen: Hat dein Hund Problem mit anderen Hunden, wenn er an der Leine ist?
Vielen Dank für's Lesen!
Loki & Katarina

6 Kommentare

  1. Ich habe ja schon auf Facebook ein bisschen darüber gelesen (und auch dazu geschrieben), aber je mehr ich mir das durchlese, desto weniger halte ich die von eurem Trainer vorgeschlagene Kastration als eine gute Lösung. Gerade wenn Lokis Verhalten doch eher in die Richtung der Ängstlichkeit geht, wäre mir da das Risiko - zumindest ohne es vorher mit Chip zu testen - viel zu groß, dass das ganze ordentlich nach hinten los geht, weil es ja durchaus vorkommen kann, dass ein Hund durch die Kasration unsicherer werden kann. Und wäre dann doch weniger ideal. Außerdem passiert es dann noch öfters, dass intakte Rüden Loli "mobben" und das wäre ja sicher auch das Gegenteil von dem, was du willst.
    Hier habe ich etwas ganz interessantes dazu gefunden: http://ganslosser.de/pdf/Kaufmann.pdf
    Ich hoffe auf jeden Fall, dass ihr eure neuen Probleme in den Griff bekommt - Viele unerwünschte Verhaltensweisen schwächen aber nach der Pupertät von alleine wieder ab. Genki war zum Beispiel früher ein ganz schlimmer Rammler, aber das hat von alleine wieder nachgelassen.

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    1. Hey Monika,

      vielen Dank für deinen Kommentar hier und auf Facebook :) Wie ich vorhin schon auf FB geschrieben habe, werden wir uns nach einer neuen Trainerin umschauen. Außerdem mache ich mit dem kleinen Mann jetzt verstärkt Nasenarbeit und achte auf mehr Ruhe im Alltag (inkl. eines Entspannungsrituals mit Massage und Musik). Das und das Clickern (im Sinne von zeigen und benennen) hat bei uns heute schon den ersten Erfolg gebracht. Herr Labrador hat vor unserer Haustür auf der gegenüberliegenden Straßenseite einen Weimareraner gesichtet, bei dem er vor drei Tagen noch völlig die Fassung verloren hatte. Heute gab er keinen Ton von sich und hat nur geschaut, er war auch ansprechbar :) Wir werden jetzt auf jeden Fall so weiter machen und fleißig trainieren.

      Liebe Grüße
      Katarina

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  2. Erstaunlich. Ich lese deinen Beitrag und erkenne Mia und mich zu 90% in deiner Geschichte wieder. Ich kann dir nur sagen - lass den Kopf nicht hängen. Es gibt gute Trainer, die das im Einzeltraining angemessen trainieren können. Wenn du bei mir in der Nähe wohnen würdest, wüsste ich ja sofort zu wem ich dich schicke. Bei meinem Trainer sind das manchmal Sachen, die in 1-2 Tage erledigt sind :o

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  3. Hey Noemi,

    danke dir! Wir werden uns auf jeden Fall nach einem anderen Trainer umschauen. Die Veränderungen, die ich in unseren Alltag nun eingebaut habe, und das gezielte Training bei Hundebegegnungen, haben uns heute das erste Mal einen kleinen Erfolg beschert :)

    Liebe Grüße
    Katarina

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  4. Manchmal denke ich, unsere arme Rasse ist besonders anfällig für Nervosität, Aufregung, Hormone und ängstliche Phasen. Ich finde dass du sehr reflektiert mit dem Verhalten umgehst und denke ihr werdet das wieder hin kriegen ��

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    1. Danke dir! Ich habe zwei Sorten Labbis kennengelernt bisher: Die einen waren reine Schlaftabletten und endlos gechillt. Und die anderen ... na ja, weißte ja ;)

      Liebe Grüße!

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