Chemische Kastration beim Labrador Rüden: Unsere Erfahrung mit dem Hormonchip (Woche 1-4)

30. August 2017

Fotocollage Schwarzer Labrador Rüde mit Hormonchip

Das Thema Kastration wird unter Hundehaltern äußerst kontrovers diskutiert. Eine Kastration ist meiner Meinung nach eine völlig individuelle Entscheidung. Es sollte immer der Einzelfall betrachtet und abgewogen werden, ob eine Kastration für das Tier eine wirkliche Erleichterung wäre.

Richtig ist, dass eine Kastration laut Tierschutzgesetz eine Amputation darstellt und diese nur erlaubt ist, wenn sie vom Tierarzt als medizinisch notwendig betrachtet wird (oder um die unkontrollierte Fortpflanzung eines Tieres zu verhindern).

Wir haben uns vor einigen Wochen von unserer Tierärztin beraten lassen und uns entschieden Loki einen Hormonchip einsetzen zu lassen, dass heißt ihn chemisch kastrieren zu lassen. Warum wir das getan haben, und was wir uns davon erhoffen, liest Du jetzt!

Ausgangssituation vor etwa vier Wochen

Schwarzer Labrador am See

Wie Du schon bei unserem letzten Pubertätsupdate lesen konntest haben wir seit vielen Wochen einige Probleme Schwierigkeiten mit Loki. Vor rund vier Wochen sah das noch wie folgt aus: Draußen war er ziemlich gestresst und nur am schnüffeln und markieren. Wir waren für ihn draußen ziemlich "unsichtbar" und er zog ziemlich stark und konstant an der Leine. (Leinenführigkeits-)training war fast unmöglich, da er sich kaum konzentrieren konnte und nur zur nächsten Duftstelle wollte. Sein Leinenfrust war je nach Hund unterschiedlich stark ausgeprägt, bei Hündinnen aber deutlich extremer.

Schon nach wenigen Minuten war er meist fix und fertig. Herr Labrador zeigte dann deutliche Stresssignale, wie starkes Hecheln, zittern und richtig aufgerissene Augen. Nach einer solchen Gassitour bekam er immer einen sehr ausgeprägten Drang sein eines Körbchen zu rammeln.


Halbjahreschip für unseren Labrador Rüden

Wie schon geschrieben haben wir uns daher, nach Rücksprache mit unserer Tierärztin, für die chemische Kastration anstelle einer richtigen Kastration entschieden. Diese hat den Vorteil, dass wir vorab feststellen können, ob und inwiefern sich sein Verhalten nach einer richtigen Kastration verbessern oder eher verschlechtern würde. Es ist quasi ein "Probelauf", der einige Monate andauert.

Am 2.8. bekam Loki mit etwa 15 Monaten den Hormonchip beim Tierarzt eingesetzt. Wir haben uns für den Halbjahreschip entschieden, dass heißt nach einem halben Jahr läuft der Hormonchip einfach aus und muss nicht entfernt werden. In dieser Zeit ist der Rüde übrigens zeugungsunfähig.

Zu Beginn wurde sein Identitätschip überprüft. Danach wurde die Kanüle samt Hormonchip ohne Betäubung direkt unterhalb seines Nackens eingesetzt. Ich war überrascht, wie schnell die Prozedur wieder vorbei war. Loki, der schon bei normalen Spritzen immer jammert, hatte sogar kaum einen Mucks von sich gegeben. Er ist übrigens immer riesig aufgeregt beim Tierarzt und kann es immer kaum erwarten ins Behandlungszimmer zu gehen. Mit seinem Verhalten hatte er schon die ein oder andere Sprechstundenhilfe ins Staunen versetzt. Dieses Mal gab es auch viele nasse "Küsse" für die nette Sprechstundenhilfe, die wir noch gar nicht kannten.

Unsere Tierärztin hat uns schon beim vorangegangenen Beratungsgespräch darauf eingestellt, dass die "Symptome" die erste Zeit (1-2 Wochen) schlimmer werden. Die Wirkung des Chips entfaltet sich dann nach etwa 3-4 Wochen. Bei einem Ganzjahreschip dauert das wohl länger, mindestens 6 Wochen. Aber ich habe auch schon von anderen Hundehaltern gehört, die erst nach 12 Wochen eine Veränderung feststellen konnten. Daher war ich gespannt, wann sich in unserem Fall die ersten Veränderungen bemerkbar machen würden.

Woche 1 - Alles ist extremer

Schwarzer Labrador Zerstörungswut

Schon am nächsten Tag bekamenwir die Verschlechterungsphase deutlich zu spüren. Loki zog noch viel mehr und stärker als vorher. Sein Interesse an Duftstellen stieg über Nacht extrem an und somit auch sein Drang zu markieren. Ihm ist es nicht erlaubt an Hauswände oder Ähnliches zu markieren, was er trotzdem immer wieder versuchte. Dieses Verhalten hatte er ganz am Anfang seiner Pubertät gezeigt, aber durch gezieltes Training konnten wir ihm das (bis dato) abgewöhnen.

Unser Teeniehund wollte draußen nun noch mehr seinen Kopf durchsetzen und akzeptierte ein "Nein" oftmals nicht. Wenn er sich irgendwo festschnüffelte und wir weiter wollten, stemmte er sich mit ganzer Kraft gegen die Leine und grummelte unzufrieden. Das war auf jeden Fall ein neues Verhalten. Schon vor dem Einsetzen des Hormonchips bemerkten wir einen gelblichen Ausfluss an seinem Penis (ein sogenanntes Präputialkatarrh). Dieser wurde in der ersten Woche immer extremer und schon nach ein paar Tagen fand ich überall wo er lagen immer wieder diese ekligen Flecken. Das Präputialkatarrh soll wohl ein Zeichen für erhebliche sexuelle Aktivität sein. Durch den Hormonchip würde aber auch der Ausfluss laut Tierärztin wieder zurückgehen.

Sein Appetit nahm zudem in den ersten Tagen stark zu. Wir hatten seine Futtermenge nach der Einsetzung des Chips entsprechend reduziert, da Rüden nach einer Kastration sehr leicht zunehmen. Da er wieder anfing draußen verstärkt nach Essen zu suchen (und sogar vor menschlichen Kot nicht zurückschreckte!), entschieden wir uns die erste Woche wieder seine normale Tagesration zu füttern. Danach reduzierten wir Schritt für Schritt seine tägliche Futterdosis um etwa 20 Gramm.

Sein Leinenfrust, der sich vorher etwas gebessert hatte, war nun wieder voll da. Besonders bei den Hundedamen war er kaum noch zu bändigen.


Woche 2 - Andere Rüden sehen ihn immer noch als Konkurrenten

Schwarzer Labrador schlafend

Nachdem wir in den ersten Tagen überhaupt nichts Positives berichten konnten, merkten wir nach sieben Tagen neue Veränderungen. Loki schlief zu Hause mehr. Sein Appetit pendelte sich in der zweiten Woche auch wieder ein. Andere Rüden reagierten zum Teil immer noch recht aggressiv auf ihn oder wollten ihm imponieren. Dieses Problem hatten wir aber schon vorher.

Sein Interesse für Duftstellen und sein Markierverhalten war auch in Woche 2 unverändert. Sein Ausfluss am Penis war dagegen noch stärker geworden, genau wie sein Drang zu Rammeln. Außerdem fing er wieder an zu haaren, obwohl er eigentlich mit dem Fellwechsel abgeschlossen hatte.

Loki's Leinenfrust war 14 Tage nach dem Einsetzen des Hormonchips mal besser und mal schlechter.


Woche 3 - Leinenfrust bei läufigen(?) Hündinnen

Zwei Labradore beim Spielen

In der dritten Woche nach der Einsetzung des Hormonchips veränderte sich Loki's Verhalten noch weiter. Drinnen war er spürbar ruhiger geworden und schlief sehr viel. Unser Rüde war außerdem kuscheliger und anhänglicher als sonst. Draußen waren sein Markierverhalten und sein Interesse an Duftstellen immer noch gleich geblieben. Der Drang nach dem Gassi gehen zu rammeln war immer noch recht stark.

Sein Leinenfrust schwankte auch in Woche 3 immer noch. Im Wohngebiet war er seit sehr langer Zeit wieder ansprechbar, wenn ein anderer Hund kommt. Dafür musste der Hund aber immer noch einige Meter weit weg sein. Anders verlief es bei einem Ausflug an unseren Lieblingssee. Nach einer langen Runde trafen wir auf einen Pudel, der an einer Band angeleint war. Dieser fiepte schon von Weitem extrem als er uns gesehen hatte. Kurz bevor wir vorbei gehen konnten war Loki schon richtig "ausgerastet". Er wollte so sehr zu dem anderen Hund, dass er das nicht nur lautstark kundtat. Nein, er entwickelte plötzlich extreme Kräfte und versuchte mehrfach mich zu dem Hund zu ziehen. Dabei wurde ich fast gegen ein Straßenschild gezogen. Ich bekam ihn fast nicht mehr weiter, so stark war der Drang zu dem Pudel zu gehen, der ebenfalls einen ganz schönen Krach machte. Wir vermuten übrigens, dass es eine Hündin war, die vielleicht sogar läufig war (bzw. kurz davor).

Übrigens schien zu dem Zeitpunkt auch eine Hündin in unserem Wohngebiet läufig zu sein. Auf einer Abendrunde in der dritten Woche fing er auf einmal an ganz aufgeregt zu fiepen und nach oben in Richtung der Balkone zu schnuppern. Einen anderen Hund auf der Straße konnten wir nicht ausmachen. So ein extremes Verhalten wie am See hatte Loki das letzte Mal am Anfang seiner Pubertät bei einer läufigen Hündin im Park gezeigt. Als er ein paar Tage später mit einer anderen Hündin spielte, schien er dagegen kein sexuelles Interesse zu haben und zeigte auch keinen Leinenfrust.

Sein Ausfluss am Penis wurde übrigens gegen Ende der dritten Woche deutlich besser.

Langsam sollte der Hormonchip anfangen zu wirken. Das lässt sich wohl unter anderem an der Größe der Hoden ablesen, die während der Wirkungsdauer des Hormonchips deutlich kleiner werden. Davon merkten wir in Woche 3 aber noch nichts.

Woche 4 - Mehr Stress und große Aufregung

Schwarzer Labrador Loki gestresst am See

In der vierten Behandlungswoche haben wir die meisten Veränderungen festgestellt. Innerhalb seiner gewohnten vier Wände war Loki zu Beginn der vierten Behandlungswoche weiterhin sehr kuschelig und schläfrig. Zudem haarte er auch wieder sehr stark.

Sein Leinenfrust konnten wir im Wohngebiet gut unter Kontrolle behalten (dank einem neu aufgebauten Umorientierungssignal). Andere Rüden, die sonst bei ihm immer anschlagen, schienen ihn eher zu ignorieren. Das war auf jeden Fall neu. Im Wohngebiet ließ sein Drang zu markieren ein kleines bisschen nach und er hockte sich manchmal sogar zum Pullern hin, was er schon ewig nicht mehr getan hatte. Er wollte auch nicht mehr an Hauswände markieren. Das kann aber auch an unserem Training liegen. Duftstellen waren für ihn auch in Woche 4 immer noch interessant, aber wir konnten ihn besser zum Weitergehen animieren. Sein verändertes Verhalten wirkte sich auch auf unser Leinenführigkeitstraining aus, wo wir zumindest in der ersten Hälfte der vierten Woche deutliche Fortschritte machten.

Uns war gegen Mitte/Ende der vierten Woche allerdings aufgefallen, dass sein Stresslevel und seine Aufgeregtheit draußen wieder enorm waren. Das schwankte allerdings je nach Tageszeit. Außerdem kam er drinnen wieder schwerer zur Ruhe und schlief nicht mehr so viel. Ich musste seit Wochen wieder aktiv mit ihm Ruheübungen machen. Ab und zu gaben wir ihm auch ein paar Beruhigungsglobuli.

Sein Leinenfrust, der im Wohngebiet gut kontrollierbar war, nahm im Hundepark überhand. Ich war mit ihm schon seit mehr als vier Wochen nicht mehr dort und sein Verhalten war noch genauso wie vor dem Hormonchip. Gerade die erste halbe Stunde war ich draußen nur Luft für ihn (trotz der selbstgemachten Hundekekse auf die er so abfährt). Herr Labrador zog wie ein Weltmeister und markierte bzw. schnüffelte ebenso leidenschaftlich. Das war sehr enttäuschend. Als er zuletzt sein Körbchen rammeln wollte, hörte er freiwillig schon nach kurzer Zeit auf. Offenbar ist dieser Drang weniger geworden.

Kurz vor Woche 5 haben wir nun feststellen können, dass seine Hoden anfangen zu schrumpfen. 
Das ist ein sicheres Zeichen dafür, dass der Hormonchip langsam anfängt zu wirken. Juhu! Ebenfalls hat er mittlerweile kaum noch (oder sehr wenig) gelblichen Ausfluss am Geschlechtsteil. Heute wurde ihm vor genau vier Wochen der Chip eingesetzt und mir ist auf unserer Morgenrunde aufgefallen, dass er kaum noch markiert. An Duftstellen schnüffelt Loki zwar noch, aber er geht dann auch bereitwillig weiter. Obwohl er nun wieder mehr schläft und ruht, scheint er in den letzten Tagen etwas schreckhafter geworden zu sein. Übrigens hat er inzwischen auch sichtbar etwas abgenommen, da wir sein Futter schrittweise um insgesamt ca. 20 Gramm reduziert haben. Soweit so gut.


Unser Zwischenfazit

Schwarzer Hund mit Hut

Obwohl wir uns vorab seelisch und moralisch auf diese Verschlechterungsphase eingestellt haben, waren die ersten Tage wirklich richtig hart und anstrengend. Sowohl für uns als Halter, als auch für den kleinen Mann. Ich fand es sehr interessant, welche Verhaltensweisen sich verstärkt haben und wo es bisher besser geworden ist. Bei seinem Leinenfrust haben wir große Fortschritte gemacht und er ist im Wohngebiet ansprechbarer geworden. Das kommt auch unserem sonstigen Training zu gute, da er sich jetzt endlich wieder auch draußen konzentrieren kann. Allerdings ist mir noch ein Rätsel, warum er in dem oben genannten Hundepark so anders war. Außerdem verstehe ich nicht, warum sich sein Stresspensum auf einmal wieder so verstärkt hat.

Wir sind gespannt wie sich Loki's Verhalten noch weiter entwickeln wird. Falls Du Interesse hast, kannst Du uns gerne auf Instagram folgen, da geben wir ab und zu immer ein Update. Oder Du wartest bis zum nächsten Blogbeitrag zum Hormonchip, der vermutlich Ende September kommt.

Und jetzt wollen wir von Dir wissen: Hast Du schon Erfahrungen mit dem Hormonchip gemacht? 
Vielen Dank für's Lesen!
Loki & Katarina

2 Kommentare

  1. Odin hat in der pubertät auch den halbjahres chip bekommen. Bei ihm ist das damals aber alles etwas anders abgelaufen. Sowohl vor als auch mit dem chip.
    Er hat unterwegs zwar mehr geschnüffelt und markiert, war aber unterwegs nicht sichtlich gestresst. Rammler war er auch nie einer. Aber hündinnen waren SEHR interessant. Er ist den hündinnen immer mit dem kopf zwischen ihren beinen nachgelaufen und war dabei nicht mehr ansprechbar. Toll beim spaziergang wenn das schon losgeht wenn die hündin noch nicht mal in sichtweite ist und man dann 40 kg in der leine hängen hat, die durch gar nichts reagieren. Außerdem hat er sich rüden gegenüber dann passiv aggressiv verhalten, sobald eine hündin in riechweite war, obwohl er eigentlich jeden anderen hund toll findet. Und von einer hündin wurde er durch sein verhalten gebissen (zum glück hat er so langes dichtes haar). Hat ihn übrigens nicht auf die idee gebracht abstand zu halten.
    Dann hat er den chip bekommen. Bei ihm wurden bereits in der zweiten woche die hoden kleiner, verschlechterung in der ersten zeit haben wir keine bemerkt. Dafür hat die wirkung nach nur drei monaten scho nachgelassen. Während dieser drei monate war er wieder komplett der alte und wir konnten ihn auch wieder problemlos mit anderen hunden toben lassen. Sobald die hoden aber wieder größer wurden, fingen sofort die alten verhaltensmuster an. Nach etwa einem monat, in dem wir nur mit halti raus konnten (an freilauf war gar nicht zu denken) haben wir uns dann entschieden ihn kastrieren zu lassen. Das ist jetzt über ein jahr her und ich hab die entscheidung nie bereut und odin macht auch nicht den anschein was zu vermissen ;). Am leinenfrust arbeiten wir übrigens heute noch...
    Liebe grüße,
    Julia und odin

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    1. Hallo Julia,

      oh Odin ist ja ein schöner Name :) Danke für deinen Kommentar! Es ist immer interessant zu erfahren, wie das bei anderen so abläuft, gerade mit dem Hormonchip. Ich finde es erstaunlich, wie anders das bei euch war... ist wahrscheinlich auch noch von der Mentalität/vom Charakter des Hundes abhängig.. aber schön, dass ihr diese anstrengende Zeit jetzt hinter euch habt! Wir merken seit Mitte dieser Woche auch deutliche Verbesserungen und nach den letzten vier Wochen könnte nicht glücklicher sein :)

      Das bei euch die Wirkung schon nach drei Monaten nachließ überrascht mich :O Ich hoffe, bei uns hält das länger..

      Viel Erfolg noch beim Leinenfrusttraining! Uns hat ein neu aufgebautes Umorientierungssignal super weitergeholfen :)

      Viele Grüße
      Katarina

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