Chemische Kastration beim Labrador Rüden: Unsere Erfahrungen mit dem Hormonchip (Woche 8-12)

25. Oktober 2017

Fotocollage Schwarzer Labrador Hormonchip
Ende September haben wir Dir erzählt, dass Loki nun seit einigen Wochen einen Hormonchip in sich trägt und somit als chemisch kastriert gilt. Sein Verhalten hatte sich aufgrund dessen ziemlich gewandelt. Warum die letzten Wochen trotzdem so ganz anders waren als erwartet, erfährst Du jetzt.


Hormonchip wirkt auf einmal nicht mehr?

Schwarzer Labrador markiert am See

Tja, was soll ich sagen. Zuerst hat der Hormonchip gute sechs bis sieben Wochen gebraucht um erst (richtig) zu wirken. Doch die schöne Zeit der entspannten Spaziergänge hielt gerade einmal zwei bis drei Wochen. Denn ab dem Ende der zehnten bzw. Anfang der elften Wochen bemerkten wir eine Veränderung, die quasi von heute auf morgen aufgetreten war.

Zuletzt markierte Loki fast gar nicht mehr und hockte sich zum Pinkeln eher hin. Nun markierte ab der elften Woche auf einmal wieder auffällig viel. Außerdem war er viel mehr am Schnüffeln. Innerhalb von Tagen wurde dieses Verhalten schlimmer und er fing dann auch an draußen wieder Urin aufzulecken (mit zitternden Lefzen und Schaum vorm Mund). Wir konnten es nicht glauben als er dann draußen zunehmend wieder gestresster wurde und sogar sein eines Körbchen rammelte. Letzteres hatte er seit der Verschlechterungsphase Anfang August nicht mehr getan.

Verpufft nach der Hälfte der Zeit die Wirkung des Halbjahres-Hormonchips?


Auffällig ist, dass Loki's Freund Mailo, der nur ein paar Tage nach Loki den Hormonchip eingesetzt bekommen hatte, ebenfalls Verhaltensauffälligkeiten gezeigt hatte. Das ging bei Mailo sogar soweit, dass er eine Hündin rammelte! Das hat mich sehr verwundert, denn eigentlich sollte der Hormonchip sexuelles Interesse stark dämpfen (da kaum noch bzw. kein Testosteron mehr produziert wird). Was ist also mit unseren Hunden los?

Übrigens hat mir auch eine Leserin geschrieben, dass bei ihrem Hund der Halbjahres-Hormonchip auch nach etwa der Hälfte der Zeit aufgehört hatte zu wirken. Sehr merkwürdig das Ganze!

Sind seine Hoden wieder größer geworden?


Nach einer Woche rief ich dann unsere Tierärztin hat. Diese zeigte sich erstaunt und meinte, dass diese Verhaltensänderungen ungewöhnlich seien. Sie äußerte die Vermutung, dass vielleicht gerade eine oder mehrere Hündinnen in unserem Viertel läufig seien. Jedoch zeigt Loki dieses Verhalten auch, wenn ich mit ihm außerhalb der Stadt bin.

Danach kam die Frage, ob Loki's Hoden größer geworden sind. Sie waren ja tatsächlich ab der achten Woche ungefähr um mehr als die Hälfte geschrumpft. Jetzt haben wir den Eindruck, die wachsen wieder. Aber es lässt sich schwierig ausmachen. Ich habe sogar das Gefühl, dass sie im Laufe des Tages von der Größe her variieren. Sollten die Hoden größer werden wäre das ein eindeutiges Zeichen, dass der Hormonchip nicht mehr wirkt.

Lohnt sich der Hormonchip rückblickend?

Schwarzer Labrador im Grünen

Nicht nur Mailo's Frauchen fühlt sich von dem Hormonchip "verar****". Ehrlich gesagt, ich weiß gar nicht, ob ich ihn jetzt noch weiterempfehlen würde. Man hat nur für eine ganz kurze Zeit eine Verbesserung bemerkt und hat nun eine ungefähre Vorstellung, wie der Hund richtig kastriert wäre. Das einzig Positive an dem Ganzen war, dass es mit ihm selbst jetzt mit schwächelndem Hormonchip besser ist als vorher. So konnten wir unser (Leinenführigkeits)-Training wieder effektiv(er) fortsetzen, da seine Konzentration durch die hormonelle Umstellung besser geworden ist.

Aber wenn ich das ins Verhältnis setze mit dem Preis (bei uns ca. 70 Euro), dem Aufwand und den Nerven, die uns das gekostet hatte, dann kann ich den Hormonchip eher nicht empfehlen. Vielleicht wäre es besser gewesen einen Ganzjahreschip zu nehmen, weil die Wirkung dann länger anhält. Aber andererseits wozu sollte man einen Hormonchip kaufen, der schon nach der Hälfte der versprochenen Zeit aufhört zu wirken?


Pfötchen Wundlecken wegen (hormonellen) Stress oder wegen Allergie?

Wunde und kahle Pfoten bei Labrador

Nun war ich mit Loki wegen einer anderen Sache beim Tierarzt, wovon ich dachte, sie sei stressbedingt. Er leckte sich nämlich seit einigen Wochen die Pfötchen wund und kratzte sich verstärkt. Unsere Tierärztin schwieg jedoch eher beim angesprochenen Thema Hormonchip und diagnostizierte eine Allergie, da er keine Flöhen oder Milben hatte. Aber dazu in einem späteren Blogbeitrag mehr.

Wir sind ziemlich enttäuscht, dass sich der Hund jetzt wieder (hormonell) "zurück entwickelt". Zwar treten diese Verhaltensänderungen nicht bei jedem Spaziergang auf. Allerdings passieren sie häufig genug, dass sie auffallen. Mittlerweile zieht mich Loki auch wieder mit sturer Entschlossenheit zu bestimmten Urinstellen hin und lässt sich auch nicht mehr ablenken und zurückholen. Er kuschelt auch weniger und sein Leinenfrust kommt immer häufiger wieder durch. Der krasse Anstieg seines Stresslevels draußen hat sich aktuell etwas wieder eingependelt, ist aber auch Tagesformabhängig.


Und nun?

Müder schwarzer Labrador

Wir haben uns jetzt dazu entschlossen ihn etwas früher als geplant kastrieren zu lassen. Statt Anfang nächsten Jahres muss er jetzt Anfang Dezember operiert werden. Mir ist diesbezüglich schon jetzt ziemlich mulmig. Aber ich hoffe, dass es danach mit ihm so sein wird, wie es in den zwei bis drei Wochen war, wo der Hormonchip zuverlässig gewirkt hatte. Unser Hund war so entspannt und glücklich. Gerne kann ich Dir Ende des Jahres auch noch einmal einen separaten Beitrag rund um unsere Erfahrung mit einer (richtigen) Kastration schreiben.

Und nun wollen wir von dir wissen: Hatte Dein Hund schon einmal einen Hormonchip und hatte dieser nach der Hälfte der Zeit auch nicht mehr gewirkt?



Vielen Dank für's Lesen!
Loki & Katarina

8 Kommentare

  1. Hormonchips dauern und wirken bei jedem Hund anders, abhängig vom individuellen Hormonhaushalt und Körpergröße/Fettanteil. Wir waren extrem zufrieden...unser Mops hat zum dritten Mal ein 6-Monate Hormonchip, der ein ganzes Jahr andauert. Keine Nebenwirkungen und er ist ausgelassener als vorher. Es gibt auch keine "Geruchsangriffe" mehr , die von anderen Rüden getätigt wurden als unser Mops noch nicht kastriert war. Wir sind sehr zufrieden mit der Wirkung, wissen aber auch, dass es nicht bei allen so gut wirkt.

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    1. Hallo!

      vielen Dank für Deinen Erfahrungsbericht :) Es scheint wirklich so, dass der Chip bei manchen Hunden besser/länger wirkt als bei anderen. Werdet ihr euren Mops dann nach Ablauf des Jahreschips kastrieren lassen?

      Viele Grüße
      Katarina

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  2. Hallo Katarina,
    seit August wohnt eine Mischlingshündin bei uns und wir haben uns im Vorfeld viel mit dem Thema Kastration beschäftigt. Ich bin dabei auf folgenden Beitrag von Udo Ganßloser, einem Verhaltsforscher, gestoßen:
    http://www.sitzplatzfuss.com/wp-content/uploads/2012/12/SPF_2_Kastration.pdf

    Herrn Ganßloser habe ich auch schon bei diversen Vorträgen gesehen. Er erklärt sehr gut verständlich die Verhaltensweisen des Hundes und beschäftigt sich insbesondere mit Kastration und deren Folgen. Nachdem ich seinen Artikel gelesen hatte, war klar, dass für unsere Hündin eine Kastration nicht in Frage kommt.
    Welche Auswirkungen eine Kastration beim Rüden haben könnte, steht im Artikel.

    Habt ihr schon mal einen Hundetrainer gefragt, der sich das Verhalten von euch und eurem Hund genauer anguckt? Meist sind die Probleme ja am anderen Ende der Leine und vielleicht lässt sich so eine andere Lösung finden und die Kastration umgehen.
    Falls du Interesse hast, kann ich dir gerne eine Trainerin empfehlen.

    Liebe Grüße aus Leipzig nach Leipzig,
    Wiebke

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    1. Hallo liebe Wiebke,

      vielen Dank für deinen Kommentar und den Link! Den Beitrag hatte ich schon von jemanden aus unserer Community empfohlen bekommen :) Wie ich schon in unseren letzten Pubertätsupdates geschrieben hatte, waren wir bei zwei Hundetrainerinnen, die sich beide für die Kastration ausgesprochen hatten, da Loki hypersexuell ist.

      Viele Grüße
      Katarina

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  3. Hallo Katarina,

    das ist wirklich sehr ärgerlich mit dem Chip, ich habe davon leider schon mal gehört, dass er nicht die versprochene Zeit hält und habe meinen Scout daher gleich richtig kastrieeren lassen.
    Ich kann dein mulmiges Gefühl sehr verstehen, ich saß schon vor der Praxis und wartete, dass diese öffnet und habe da noch gezweifelt ob ich das wirklich tun soll. Aber für uns war es die richtige Entscheidung, nein Scout war in keinsterweise auffällig, schwierig o.ä., aber er lebt ja mit einer unkastrierten Hündin zusammen. Ich hatte lange überlegt ob ich Maya oder Scout kastrieren lassen soll, da meine Labrador Hündin aber vom Verhalten eher schwierig ist (tendiert dazu meine kleine Hündin anzugreifen, die sind daher immer getrennt und ist auch sonst ein eher "ernster" Hund) hatte ich mich für Scout entschieden.
    Aber ich werde wohl auch Maya noch kastrieren lassen, in der Hoffnung ihr "aggressives" Verhalten hängt tatsächlich mit den Hormonen zusammen (ist besonders auffällig vor, während und nach der Hitze).

    Wir werden sehen, bei Scout habe ich die Kastration bisher allerdings nicht bereut :-)

    Liebe Grüße
    Jessie

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    1. Hallo Jessie,

      oh das ist ja ganz schön krass mit deiner Maya! Ich hatte eigentlich gelesen, dass eine Kastration Aggressionen gegen Artgenossen nicht besser macht. Zum Teil soll sogar das Gegenteil der Fall sein.

      Viele Grüße
      Katarina

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  4. Huhu tolle berichte. Mich würde interessieren wie es mit den Pfoten weiter ging. War es hormoneller Stress oder wirklich eine Allergie?
    Gruss Sandra mit goldi Balu

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    1. Hallo Sandra,

      die Pfotenknabberei ist auf jeden Fall eine Allergie. Wir müssen gerade eine Ausschlussdiät durchführen und Loki hat leider noch mit weiteren Begleiterscheinungen zu kämpfen. Ich schreibe auf jeden Fall demnächst mal einen Beitrag zu dem Thema und bis dahin kannst du uns gerne auf Instagram folgen (falls du es nicht schon tust), denn dort gebe ich regelmäßig Updates!

      Viele Grüße
      Katarina

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